Wanderung auf dem Sólheimajökull

Auf unserem Weg von Grönland nach Deutschland, hatten wir noch einen Tag Aufenthalt auf Island eingeplant. Eis und Schnee faszinieren mich und ich wollte unbedingt diese Gelegenheit nutzen, um erneut einen Gletscher zu begehen und diesmal sogar auf ihm zu klettern. Wir haben uns für Arctic Adventures und die Blue Ice Tour als Veranstalter entschieden. 

Wer kein erfahrener Gletscherwanderer oder Bergsteiger ist, sollte für diese Tour unbedingt einen Guide dabei haben. Ohne Kenntnisse und die richtige Ausrüstung (Eisaxt, Steigeisen, Sicherung, Stock und Helm) kann eine Gletscherwanderung sehr gefährlich werden. Im Eis befinden sich Risse, Höhlen und Spalten die teilweise von Schnee bedeckt und damit nicht sichtbar sind. Mit einem falschem Schritt kann man ausrutschen oder tief fallen und der Ausflug endet mit schweren Verletzungen oder sogar tödlich.

Der Sólheimajökull ist eine etwa 10km lange Gletscherzunge des Mýrdalsjökulls. Der Mýrdalsjökull ist mit 596 km² der viertgrößte und südlich gelegenste Gletscher Islands. Die Gletscherzunge ist sehr schnell von der Ringstraße (1) über den Sólheimajökulsvegur (221) zu erreichen. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Parkplatz, von dem es nur noch wenige 100 Meter bis zur Gletscherzunge sind. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die meisten Touristen sich bei dem Vorhaben "Gletscherwanderung", für diesen entscheiden.

Das Bild zeigt den Einstieg auf die Gletscherzunge. Der Klimawandel ist auch hier deutlich erkennbar. Der Sólheimajökull hat sich, Berichten der Glaziologischen Gesellschaft Islands zufolge, seit 1995 um fast 900m zurückgezogen. Ein Ende dieser Entwicklung ist leider nicht in Sicht. Regelmäßig wird die Bewegung des Gletschers gemessen und intensiv beobachtet. Das Abschmelzen und Wachsen gehört zur natürlichen Prozess dazu, allerdings wäre es in unser aller Interesse, wenn diese Entwicklung nicht weiter voranschreitet. Das letzte Mal konnte man einen Rückzug dieses Umfangs zwischen 1930 - 1970 beobachten. Von 1970 - 1995 rückte der Gletscher allerdings wieder um 450 m vor. 

 

 

Es ist schon eine besondere Erfahrung auf einem Gletscher zu stehen. Das blaue Eis, das zum Teil mit grau - schwarzem Lavagestein oder Asche durchzogen ist, ist Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte alt. Die Lufteinschlüsse, die aussehen wie Millionen kleiner Seifenblasen sind einfach unglaublich schön anzusehen.

Auf unserer Wanderung sind alle Teilnehmer in einer Reihe hintereinander gegangen. An vorderster Front einer unserer Guides, der mit einem langen Stock geprüft hat, ob sich Spalten unter dem Schnee befinden. Der zweite Guide war zwischen uns und hat die Teilnehmer unterstützt, die sich nicht so sicher fühlten. Für einen Außenstehenden mag das übervorsichtig klingen, aber nachdem ich im Langjökull gesehen habe, wie tief die Spalten reichen, habe ich beschlossen nicht dort hineinzufallen. 

Wir sind die Gletscherzunge ein ganzes Stück hinauf gegangen. Haben uns Höhlen, tiefe Löcher, Spalten und auch eine Gletschermessung angesehen. Unsere Guides haben uns auf dem Weg einiges über die Entstehung, die Entwicklung und das Abschmelzen der Gletscher in Island erzählt. Interessant und gleichermaßen traurig waren aber auch die Berichte von verunglückten Touristen und erfahrenen Bergsteigern am Sólheimajökull.

 

Teil der Blue Ice Tour von Arctic Adventures ist zudem das Eiswandklettern. Man ist nicht gezwungen teilzunehmen, aber wer will sich diese Gelegenheit entgehen lassen. Also ich auf keinen Fall. Unsere Guides haben zuerst die Sicherungen befestigt und uns gezeigt wie man die Eisaxt und die Steigeisen richtig zum Klettern nutzt. Ziel war es ja schließlich oben anzukommen.

Ich hätte nicht gedacht, dass es soviel Kraft kostet, die Äxte ins Eis zu schlagen und sie dann für den nächsten Schritt auch wieder heraus zubekommen. Eine sportliche Erfahrung, die mir ganz gut gelungen ist. Ich könnte mir vorstellen das öfter zu machen. 

Nachdem sich alle willigen Teilnehmer am Klettern versucht haben, ging es wieder zurück in Richtung Parkplatz. Zusammenfassend war es ein schönes Erlebnis. Für meinen Geschmack hätten wir noch länger und weiter laufen können, aber dazu muss dann dann wahrscheinlich einen privaten Bergführer buchen. Klingt nach einem neuen Projekt.

Kleine Anekdoten vom Gletscher

 

Normalerweise würde ich mich nie über andere Teilnehmer einer Tour in meinem Blog äußern, aber in diesem Fall kamen einfach so viele unglaublich sinnfreie Dinge aufeinander, dass ich sie Euch unmöglich vorenthalten kann. 

Wir waren glücklicherweise in einer kleine Gruppe auf dem Gletscher unterwegs. Die hatte es allerdings in sich. Respekt vor den Guides von Artic Adventures, die mit einer Engelsgeduld bei jeder noch so wenig durchdachten Aktion, die Ruhe behalten haben.

Unsere zwei Damen, die sich nicht getraut haben auf Eis zu laufen oder bergabwärts zu gehen, haben uns den Weg von Anfang an etwas schwer gemacht. Und wenn ich schreibe nicht getraut, meine ich ohne am Händchen zu laufen ging gar nichts. Ich habe mir die Frage gestellt, warum man eine Gletscherwanderung mit Eislettern bucht, wenn man Angst vor Eis hat? Am Ende bin ich zu dem Schluß gekommen, dass es vielleicht eine sehr ausgereifte Taktik war, um den nicht unattraktiven Guides etwas näher zukommen. Da ich glücklich verheiratet bin, musste ich für mich allein laufen. :-)

Große Freude hatten wir auch mit dem Herren, der mit offenen Schuhen eine Eiswand hochklettern wollte. Ihr fragt Euch sicher warum er die Turnschuhe (da geht es schon los) auf einem Gletscher offen lässt? Ich mich auch. Zuerst verlor er die Steigeisen und dann seine Schuhe. Als Konsequenz musste er mit Socken am Eis hinunter klettern. Die waren danach sicher nass und der restliche Wanderweg kein Spaß mehr.

Mein absolutes Highlight waren allerdings die zwei Damen aus einer Metropole der USA, die in Leggings und einem dünnem Pullover an der Wanderung teilnahmen. Vielleicht war ihnen nicht klar, das ein Gletscher aus Eis besteht? Nach kurzer Zeit fingen sie verständlicherweise an zu frieren. Wir konnten allerdings mit vielleicht nicht so modischer, aber warmer Kleidung aushelfen.

 

In der Summe, ist es spannend manche Menschen beim #abenteuerlustigsein zu beobachten. Was hätte man auch sonst daheim zu erzählen?

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